Vom Kreditrahmen zur Monatsrate: die Rechnung Schritt für Schritt
Warum aus 1.500 € genau 138,16 € im Monat werden, wie die Formel dahinter funktioniert und weshalb der effektive Jahreszins höher liegt als der Sollzins.
Ein Kreditrahmen ist kein Preis. Was er kostet, hängt davon ab, wie viel du davon nutzt und über welchen Zeitraum du zurückzahlst. Diese Rechnung lässt sich vollständig nachvollziehen — sie ist kein Betriebsgeheimnis, sondern Schulmathematik.
Die Formel
Wer einen Betrag in gleichbleibenden Monatsraten zurückzahlt, zahlt eine Annuität. Die Rate setzt sich in jedem Monat aus Zins und Tilgung zusammen; der Zinsanteil sinkt, der Tilgungsanteil steigt, die Summe bleibt gleich. Die Rate ergibt sich aus:
Dabei ist X der Betrag, n die Zahl der Monatsraten und i der monatliche Zinssatz. Bei 18,90 % Sollzins im Jahr ist i = 0,189 ÷ 12 = 0,01575, also knapp 1,58 % im Monat.
Die Probe an der Pflichtangabe
Setzen wir die Zahlen des repräsentativen Beispiels ein: X = 1.500 €, n = 12, i = 0,01575.
Gesamtbetrag = 138,16 · 12 = 1.657,96 €
Zinsen = 1.657,96 − 1.500 = 157,96 €
Genau diese Zahlen stehen in der Pflichtangabe nach § 17 Abs. 4 PAngV am Fuß dieser Seite. Der Rechner auf der Startseite verwendet dieselbe Formel; du kannst ihn gegen jede der folgenden Zeilen prüfen.
Sehenswert ist der innere Ablauf. Im ersten Monat entfallen von den 138,16 € genau 1.500 · 0,01575 = 23,62 € auf Zinsen, die restlichen 114,54 € tilgen. Der Saldo sinkt damit auf 1.385,46 €. Im zweiten Monat sind es nur noch 21,82 € Zinsen und 116,34 € Tilgung. So verschiebt sich das Verhältnis Monat für Monat, bis in der letzten Rate fast nur noch getilgt wird. Die Rate bleibt gleich — ihre Zusammensetzung nicht.
Das erklärt auch, warum vorzeitige Rückzahlung früh mehr bringt als spät: Zinsen fallen auf den jeweils ausstehenden Saldo an. Wer im zweiten Monat 500 € zusätzlich tilgt, spart über die Restlaufzeit deutlich mehr als jemand, der dieselben 500 € im elften Monat einsetzt.
Andere Beträge, zwölf Monate
| Betrag | Monatsrate | Gesamtbetrag | Zinsen |
|---|---|---|---|
| 500 € | 46,05 € | 552,65 € | 52,65 € |
| 1.000 € | 92,11 € | 1.105,31 € | 105,31 € |
| 1.500 € | 138,16 € | 1.657,96 € | 157,96 € |
| 2.500 € | 230,27 € | 2.763,27 € | 263,27 € |
| 5.000 € | 460,54 € | 5.526,53 € | 526,53 € |
| 10.000 € | 921,09 € | 11.053,06 € | 1.053,06 € |
| 25.000 € | 2.302,72 € | 27.632,66 € | 2.632,66 € |
Die Zinslast wächst proportional zum Betrag: Bei zwölf Monaten Laufzeit sind es stets rund 10,5 % des Betrags. Das ist kein Zufall, sondern die Folge davon, dass sich der ausstehende Saldo über die Laufzeit im Mittel etwa halbiert. Aus 18,90 % im Jahr werden dadurch effektiv gut zehn Prozent auf den Ausgangsbetrag — ein Zusammenhang, den viele unterschätzen, wenn sie Sollzins und tatsächliche Kosten gleichsetzen.
Die Verhältnisgleichheit hat einen praktischen Nutzen: Du kannst jeden Betrag im Kopf überschlagen. Rate ≈ Betrag ÷ 12 · 1,105, Zinsen ≈ Betrag · 0,105. Bei 3.000 € sind das rund 276 € im Monat und etwa 315 € Zinsen. Die genaue Rechnung ergibt 276,33 € und 315,92 € — für eine Überschlagsrechnung nah genug.
Warum 20,63 % und nicht 18,90 %
Der Sollzins von 18,90 % ist der nominale Jahreszins. Der effektive Jahreszins von 20,63 % berücksichtigt zusätzlich, dass unterjährig verzinst wird: Die Zinsen eines Monats werden Teil des Saldos, auf den im Folgemonat wieder Zinsen anfallen. Diesen Zinseszinseffekt rechnet der Effektivzins ein.
Der Monatszins selbst beträgt 18,90 % ÷ 12 = 1,575 %. Der Abstand zwischen 18,90 % und 20,63 % — 1,73 Prozentpunkte — entsteht allein aus der unterjährigen Verzinsung, nicht durch versteckte Gebühren. Genau dafür ist der effektive Jahreszins gemacht: Er ist die einzige Zahl, die zwei Angebote vergleichbar macht, weil er alle preisbestimmenden Bestandteile in einen Wert zusammenfasst.
Was die Rechnung nicht abbildet
Die Beispiele oben unterstellen eine Rückzahlung in zwölf gleichen Raten. Ein Kreditrahmen funktioniert flexibler: Du kannst jederzeit mehr tilgen, und du kannst den Rahmen nach der Rückzahlung erneut nutzen. Beides verändert die Rechnung.
Eine Sondertilgung senkt die Zinslast unmittelbar, weil Zinsen nur auf den tatsächlich ausstehenden Saldo anfallen. Eine längere Rückzahlung senkt die Monatsrate und erhöht die Gesamtkosten. Wer bei 1.500 € statt zwölf Monaten vierundzwanzig wählt, zahlt weniger im Monat und insgesamt spürbar mehr:
| Laufzeit | Monatsrate | Gesamtbetrag | Zinsen |
|---|---|---|---|
| 6 Monate | 263,96 € | 1.583,76 € | 83,76 € |
| 12 Monate | 138,16 € | 1.657,96 € | 157,96 € |
| 24 Monate | 75,54 € | 1.812,96 € | 312,96 € |
| 36 Monate | 54,91 € | 1.976,70 € | 476,70 € |
Die Halbierung der Rate von zwölf auf vierundzwanzig Monate verdoppelt die Zinsen. Das ist die eigentliche Entscheidung, die hinter der Wahl der Laufzeit steht — und sie wird häufig ausschließlich nach der Monatsrate getroffen.
Zweitens bildet das Beispiel eine einmalige Inanspruchnahme ab. Ein Kreditrahmen wird typischerweise mehrfach genutzt: Ein neuer Umsatz erhöht den Saldo, eine Rate senkt ihn. Die Zinsen richten sich stets nach dem tatsächlichen Saldo, nicht nach einem einmal festgelegten Plan. Wer regelmäßig neue Umsätze bucht, hat keine sinkende Restschuld, sondern eine schwankende — und zahlt entsprechend länger Zinsen.
Häufige Fragen
Ist der Sollzins fest?
Nein. Er ist als veränderlich ausgewiesen. Eine Anpassung wirkt sich auf künftige Zinsen aus, nicht rückwirkend.
Kostet der Rahmen etwas, wenn ich ihn nicht nutze?
Nein. Zinsen entstehen nur auf tatsächlich genutzte Beträge. Eine Jahresgebühr fällt nicht an.
Kann ich vorzeitig zurückzahlen?
Ja. Zinsen werden auf den ausstehenden Saldo berechnet, eine frühere Tilgung senkt sie entsprechend.
Rechnet der Rechner auf der Startseite dasselbe?
Ja, mit derselben Annuitätenformel. Bei 1.500 € zeigt er exakt die Pflichtangabe.
Warum steht in der Pflichtangabe 138 € und nicht 138,16 €?
Die Pflichtangabe rundet auf volle Euro. Die genaue Rate beträgt 138,16 €.