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Bonität

Wie die Bonitätsprüfung ohne SCHUFA-Abfrage abläuft

Keine SCHUFA-Abfrage heißt nicht: keine Prüfung. Was die Instabank ASA stattdessen abfragt, was sie sehen will und woran ein Antrag scheitert.

Stand: 30. August 2026 Alle Beiträge

„Ohne SCHUFA“ ist einer der meistgesuchten Begriffe im deutschen Finanzmarkt und einer der am häufigsten missverstandenen. Er bedeutet nicht, dass niemand hinsieht. Er bedeutet, dass eine andere Stelle hinsieht.

Was bei einem Antrag tatsächlich passiert

Wenn du einen Antrag auf die BARMAKID Kreditkarte stellst, prüft die Instabank ASA als Darlehensgeberin deine Zahlungsfähigkeit. Dazu ist sie nicht nur berechtigt, sondern nach § 505a BGB verpflichtet: Ein Verbraucherdarlehen darf nur vergeben werden, wenn keine erheblichen Zweifel daran bestehen, dass der Darlehensnehmer es zurückzahlen kann. Eine Bank, die auf diese Prüfung verzichtete, verstieße gegen geltendes Recht.

Der Unterschied liegt in der Quelle. Klassische deutsche Kartenherausgeber fragen die SCHUFA Holding AG ab. Die Instabank ASA fragt Experian ab. Beide sind Auskunfteien im Sinne des § 31 BDSG, beide unterliegen der DSGVO, beide führen Daten über Zahlungsverhalten. Sie führen aber nicht dieselben Daten.

Warum eine andere Auskunftei zu einem anderen Ergebnis führt

Auskunfteien sind keine Behörden mit einem gemeinsamen Register. Sie sind privatwirtschaftliche Unternehmen, die jeweils die Daten führen, die ihnen ihre Vertragspartner melden. Wer eine Handyrechnung nicht bezahlt, taucht bei der Auskunftei auf, mit der dieser Mobilfunkanbieter zusammenarbeitet — nicht zwangsläufig bei allen anderen.

Das ist kein Versehen im System, sondern seine Bauart. Eine Auskunftei erhält Daten nach dem Gegenseitigkeitsprinzip: Wer Auskünfte beziehen will, muss selbst melden. Ein Unternehmen, das bei Auskunftei A Mitglied ist, meldet dorthin — und nirgendwo sonst. Ein Verbraucher hat also nicht eine Akte, sondern so viele Teilakten, wie es Auskunfteien gibt, die von seinen Vertragspartnern beliefert werden.

Daraus folgt etwas, das viele überrascht: Es gibt keinen einheitlichen Bonitätswert. Dieselbe Person kann bei einer Auskunftei einen belastenden Eintrag haben und bei einer anderen keinen. Wer bei der SCHUFA einen alten Eintrag mit sich trägt, ist bei Experian deshalb nicht automatisch ebenfalls belastet — und umgekehrt. Auch die Rechenverfahren unterscheiden sich: Jede Auskunftei bildet ihren eigenen Wahrscheinlichkeitswert aus ihren eigenen Daten, mit eigenen Gewichtungen. Zwei Werte derselben Person sind nicht ineinander umrechenbar.

Experian ist dabei kein Nischenanbieter. Das Unternehmen ist in 32 Ländern tätig, wird an der Londoner Börse mit rund 40 Milliarden Euro bewertet und setzt jährlich etwa 8 Milliarden Euro um. Seine Stellung im deutschen Markt hat es zuletzt deutlich ausgebaut: Im März 2025 wurde die Übernahme der Creditreform-Tochter Boniversum bekannt, hinzu kam das Geschäft von Arvato Infoscore, das zuvor zu Bertelsmann gehörte und seine Daten überwiegend aus Inkasso, Versandhandel und Telekommunikation bezog. Damit zählt Experian neben SCHUFA und CRIF zu den drei großen Auskunfteien in Deutschland.

Für Verbraucher hat diese Konsolidierung eine praktische Folge: Bestehende Einträge bei Arvato Infoscore und Boniversum verschwinden nicht, sie wandern unter das Dach von Experian. Wer früher zwei Selbstauskünfte anfordern musste, fordert künftig eine an — die Löschfristen und deine Rechte nach der DSGVO bleiben unverändert.

Was geprüft wird

Die Auskunft ist der eine Teil. Der andere sind Angaben, die du selbst machst und die die Bank plausibilisiert.

Geprüft wirdWarum
Auskunft bei ExperianZahlungsverhalten, laufende Verpflichtungen, Negativmerkmale
Regelmäßiges EinkommenOhne Einkommen keine Rückzahlungsfähigkeit im Sinne des § 505a BGB
Wohnsitz in DeutschlandZuständigkeit, Zustellbarkeit, anwendbares Recht
VolljährigkeitGeschäftsfähigkeit — ein Darlehensvertrag mit Minderjährigen ist schwebend unwirksam
IdentitätPflicht nach dem Geldwäschegesetz, in aller Regel per Video- oder Bankidentifikation

Ein negatives Ergebnis der Bonitätsprüfung führt zur Ablehnung. Das ist kein Kleingedrucktes, sondern die zwingende Folge: Die Bank darf dann nicht vergeben.

Wichtig ist die Reihenfolge der Prüfschritte. Die Auskunft ist ein Baustein, nicht das Urteil. Eine Bank, die allein auf einen Zahlenwert schaute, verstieße gegen Art. 22 DSGVO, sofern die Entscheidung ausschließlich automatisiert erginge und erhebliche Wirkung hätte. Deshalb fließen Einkommen, bestehende Verpflichtungen und Beschäftigungsverhältnis eigenständig ein. Ein mittelmäßiger Auskunftswert bei hohem, sicherem Einkommen führt zu einer anderen Entscheidung als derselbe Wert bei knapper Haushaltsrechnung.

Nicht geprüft wird dagegen manches, was Antragsteller vermuten: dein Kontostand bei anderen Banken, deine Einkäufe, dein Beruf im Sinne eines Ansehens. Auskunfteien führen Zahlungsverhalten, keine Lebensläufe.

Was die Prüfung nicht ist

Drei Missverständnisse begegnen uns regelmäßig.

Es ist keine Karte ohne Prüfung. Angebote, die mit „garantierter Zusage“ oder „ohne jede Prüfung“ werben, sind entweder Prepaid-Produkte ohne Kreditrahmen — bei denen es nichts zu prüfen gibt, weil kein Kredit gewährt wird — oder sie sind unseriös. Ein echter Kreditrahmen ohne Bonitätsprüfung existiert im regulierten Markt nicht.

Es ist keine Karte ohne Datenverarbeitung. Deine Daten werden verarbeitet, nur eben von Experian statt von der SCHUFA. Du hast gegenüber Experian dieselben Rechte wie gegenüber jeder anderen Auskunftei: Auskunft nach Art. 15 DSGVO, Berichtigung nach Art. 16, Löschung nach Art. 17. Die Selbstauskunft ist einmal jährlich kostenlos.

Es ist keine Umgehung. Die Abfrage bei einer anderen Auskunftei ist ein zulässiges und alltägliches Vorgehen, kein Trick. Banken wählen ihre Auskunfteien nach fachlichen Kriterien aus; international tätige Häuser arbeiten häufig mit international aufgestellten Anbietern.

Was du vor dem Antrag tun kannst

Fordere deine Selbstauskunft bei Experian an, bevor du den Antrag stellst. Sie ist nach Art. 15 Abs. 3 DSGVO einmal im Jahr kostenlos, und du siehst damit dieselbe Datenlage, die auch die Bank sieht. Enthält sie einen Eintrag, den du für falsch hältst, lässt er sich vor dem Antrag korrigieren — danach ist es zu spät, denn die Entscheidung ist dann gefallen.

Rechne mit Bearbeitungszeit. Die Auskunft ist nach Art. 12 Abs. 3 DSGVO unverzüglich, in jedem Fall aber binnen eines Monats zu erteilen. Eine Berichtigung nach Art. 16 DSGVO braucht zusätzlich Zeit, weil die Auskunftei bei der meldenden Stelle rückfragt. Wer einen Antrag für kommende Woche plant und heute erst die Selbstauskunft anfordert, kommt zu spät.

Prüf zweitens, ob deine Einkommensangaben belegbar sind. Nicht jede Bank fordert Belege an, aber jede darf es. Wer die Zahlen ohnehin zur Hand hat — die letzten Gehaltsabrechnungen, bei Selbstständigen der letzte Steuerbescheid —, verkürzt das Verfahren erheblich.

Und drittens: Stell nicht mehrere Anträge parallel. Das beschleunigt nichts, sondern erzeugt bei mehreren Instituten gleichzeitig offene Vorgänge. Wenn du vergleichen willst, vergleich die veröffentlichten Konditionen — dafür sind die Pflichtangaben nach § 17 Abs. 4 PAngV gemacht, die jeder Anbieter führen muss.

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Häufige Fragen

Wird wirklich keine SCHUFA-Abfrage durchgeführt?

Für die Bonitätsprüfung im Antragsprozess nicht — dort wird Experian abgefragt. Verbindlich ist allein, was die Instabank ASA in ihren Datenschutzhinweisen erklärt, denen du im Antragsprozess zustimmen.

Erscheint die Karte später in meiner SCHUFA-Auskunft?

Ob und an welche Auskunfteien die Bank ein bestehendes Kreditverhältnis meldet, regelt sie in ihren Datenschutzhinweisen. Das ist von der Frage der Abfrage bei Antragstellung zu trennen — beides kann unterschiedlich beantwortet sein.

Was passiert bei einem negativen Ergebnis?

Der Antrag wird abgelehnt. Eine Ablehnung ist kein Eintrag und wirkt sich nicht auf deine Bonität aus.

Wie komme ich an meine Experian-Selbstauskunft?

Über das Selbstauskunftsangebot von Experian Deutschland. Einmal jährlich kostenlos, Rechtsgrundlage ist Art. 15 Abs. 3 DSGVO.

Ist ein negativer Eintrag automatisch das Aus?

Nicht zwangsläufig. Entscheidend ist das Gesamtbild aus Auskunft, Einkommen und laufenden Verpflichtungen. Die Entscheidung trifft allein die Instabank ASA.

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